Was, DAS ist MEINE Stimme?

Nicht alle Männer haben automatisch eine sonore und wohlklingende Stimme. Es gibt auch Redner, die weichen sehr stark von ihrer natürlichen Sprechstimmlage ab. Die Stimme klingt dann meistens gedrückt oder gepresst. Auf Dauer kann das für beide Seiten sehr unangenehm werden - für den Redner selbst, aber auch für die Zuhörer. Ich hatte einmal einen Klienten, der sprach die ganze Zeit in dieser sogenannten erhöhten Sprechstimmlage. Nach längeren Vorträgen war er meist platt und fühlte sich wie ein Marathonläufer, der durch den Vortrag rannte. Dieses „gehetzt sein“ machte sich auch in seinem Sprechtempo deutlich. Er überholte sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst. Sein Körper war dabei sehr angespannt. 

 

Körperspannung und Stimme

 

Als der Klient damals in einem Deuserband hing und das erste Mal auf seiner natürlichen Sprechstimmlage unterwegs war, verschlug es ihm fast die Sprache: „Es fühlt sich so locker, frei und weit an. Mein Stimme vibriert im Bauchraum und hat ein Volumen, dass ich so nicht nie kannte.“ Das Band hat ihn eine Lockerheit gebracht, die in unserem Hüftbereich nötig ist, um eine resonanzreiche Stimme erklingen zu lassen. Was viele nicht wissen: Durch Über- oder Unterspannung verlieren wir 20 bis 60 Prozent unserer Stimmkraft.

 

Wie gelingt es uns in eine eutone Körperspannung zu kommen, damit wir unser volles Stimmpotenzial entfalten können?

 

Wie bereits erwähnt, kommt „die Kraft der Stimme“ nicht aus unserem Hals, sondern aus dem Becken. Aus diesem Grund sollten wir immer auf eine Körperdurchlässigkeit achten. Achten Sie auf einen stabilen, hüftbreiten Stand (Surfbrettstand) und aufgerichteten Oberkörper.

 

Nicht umsonst hören Schauspielschüler immer wieder folgenden Satz: „Sie brauchen mehr Durchlässigkeit in Ihrem Körper.“

 

Wie können Sie das üben?

 

1.) Lassen Sie beim Sprechen Ihre Knie locker. 

2.) Bleiben Sie in Bewegung - jegliche Form von Anspannung wirkt sich auf Ihre Stimme aus.

3.) Achten Sie im Alltag bewusst auf Ihre Körperspannung - nur so können Sie diese dauerhaft verändern. 

 

Vor allem Punkt 3 ist immens wichtig. Denn in unserem beruflichen Alltag werden wir oft stimmlich gefordert - in Meetings, Vorträgen oder Verhandlungen. Werden wir dabei noch gestresst, dann ziehen wir (unbewusst) unsere Schultern nach oben und spannen den Körper an. Je öfter Sie Ihre Körperspannung in solchen Situationen beobachten, umso besser können Sie eine Körperdurchlässigkeit herbeiführen. 

 

Mit folgender Übung möchte ich Ihnen den Zusammenhang zwischen Körperspannung und Stimme noch deutlicher machen:

 

Stellen Sie sich vor, Sie halten in großer Runde eine kurze Rede. Nehmen Sie die für Sie typische Position ein und beginnen Sie, die ersten fünf Sätze zu sprechen. Anschließend holen Sie sich ein Seil (oder ein größeres Handtuch) und beginnen damit wie mit einem Lasso über Ihrem Kopf zu schwingen. Wenn Sie dabei Ihren eigenen Rhythmus gefunden haben, wiederholen Sie nochmals die fünf Sätze. 

 

Nehmen Sie einen Unterschied in Ihrer Stimme wahr?

 

Vermutlich klingt diese klarer und voluminöser. Das heißt jetzt nicht, dass Sie ab sofort nur noch mit einem Seil über dem Kopf Vorträge halten sollen. Erspüren Sie den Unterschied im zweiten Durchgang und versuchen Sie diese Körperdurchlässigkeit in in Ihren Sprechalltag zu nehmen. 

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