Der Hosentaschen-Vortrag und der verbissene Redner

Immer wieder beobachte ich bei öffentlichen Vorträgen, dass viele Redner ihre Hände hinter dem Rücken verstecken oder sie in ihre Hosentaschen stecken. Wenn Sie jetzt meinen, "das macht doch der Stimme nichts aus", dann versuchen Sie es doch bitte einmal. 

 

Sprechen Sie mit nach hinten oder nach vorne verschränkten Armen, stecken Sie Ihre Hände in die hinteren bzw. vorderen Hosentaschen. Dann dasselbe noch einmal: Ihre Hände sind nun "frei und locker", unterstreichen das gesprochene Wort indem sie gestikulieren. Wie klingt Ihre Stimme jetzt? Was für ein Sprechgefühl stellt sich bei Ihnen ein?

 

Vermutlich wird sich Ihre Stimme entspannter und resonanzreicher anhören. Mit der Zeit entwickeln Sie ein neues Sprechgefühl, dass Sie durch Kommunikationssituation trägt. Zudem werden Sie durch eine stimmige Körpersprache authentischer. Und eins steht fest: Kommunikation findet nicht nur durch unsere Stimme statt - sondern durch unseren gesamten Körper. Ihre Hände haben also definitiv ein Wörtchen mitzureden.

Mehr Stimme durch Aufrichtung 

Kennen Sie dieses Szenario im Büro? Sie sitzen eingesunken vor dem PC, da klingelt plötzlich das Telefon. Wenn Sie genau aus dieser Position heraus in den Hörer sprechen, dann wird der Anrufer am anderen Ende der Leitung eine nicht ganz so präsente Stimme hören - denn Sie verschenken in diesem Augenblick bis zu 60 % Ihrer Stimmleistung.
Testen Sie doch einmal wie sich Ihre Stimme anhört, wenn Sie sich vor dem Klingeln erst einmal „einstimmen“: Sie richten also Ihren Oberkörper auf, kommen mit Ihrem Gesäß auf das vordere Drittel des Stuhls und schauen, dass sie einen guten Fuß-Boden-Kontakt haben. Jetzt sind Sie bereit ans Telefon zu gehen.
Sie werden merken, dass sich in dieser Position nicht nur Ihr Stimmklang verbessert, sondern auch Ihre Konzentration bzw. Wachheit während des Gesprächs: Ihre äußere Haltung bestimmt Ihre innere Haltung.

„Da muss ich jetzt mal die Zähne zusammenbeißen“

Dieses Sprichwort passt wie die Faust aufs Auge. Tatsächlich spannen viele Menschen in Stresssituationen ihren Kiefer an - das geschieht in den häufigsten Fällen unbewusst. Nicht nur Ihre Zähne leiden darunter, sondern auch Ihre Stimme. Warum?

Ein "fester Kiefer" nimmt uns sehr viel Stimmresonanz. Das ist so, als würden Sie in den Hohlraum einer Gitarre ganz viele Mini-Kissen „hineinstopfen“ und anschließend an den Saiten zupfen. Es würde kein Klang entstehen, da der Resonator fehlt.

Machen Sie doch einmal den Selbsttest: Legen Sie die Zähne aufeinander und sprechen Sie einen Satz. Im zweiten Durchgang lassen Sie den Kiefer locker und entspannt. Jetzt sprechen Sie den Satz noch einmal. Und? Sie haben vermutlich bemerkt, wie viel Stimmvolumen Sie zur Verfügung haben, sobald Sie dieses wichtige Artikulationsorgan locker lassen. 

Im Sprechcoaching ist diese "Kieferlockerung" ein wichtiges Thema, um sich seinen eigenen Resonanzraum bewusst zu machen. Sind Sie im Kieferbereich verspannt? Helfen kann Ihnen das sogenannte Lippensprudeln (auch Lippenflattern genannt). Sie werden merken, dass sich mit der Zeit die Verspannung löst und Ihre Stimme voller klingen wird.

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