Authentisch sprechen: Vor Gruppen und am Telefon

Viele meiner Klienten fragen mich, warum sie vor Gruppen nicht authentisch sprechen können. Das heißt: Sie sprechen meistens viel zu schnell, das wiederum erzeugt Luftknappheit und eine Hochatmung ist vorprogrammiert. Manchmal rutscht die Stimme nach oben und klingt höher als sonst. Im schlimmsten Fall können auch plötzliche Sprechblockaden auftreten. Nach außen hin wirkt das ziemlich unsortiert.

Vielen von uns gehen in solchen Situationen folgende Gedanken durch den Kopf:

  • "Wie soll ich mich jetzt am besten kurz und knackig vorstellen,
     ohne dass es langweilig klingt?" 
  • "Wohin soll ich bloß mit meinen Händen?"
  • "Kommt mein Thema (und auch ich) bei den Zuhörern gut an?" 
  • "Soll ich laufen oder stehen bleiben?"
  • "Wo soll ich nur hinschauen, bei so vielen Menschen?" 
  • "Wird man mich wegen meines Dialekts belächeln?"
  • "Hoffentlich schauen mich nicht so viele Menschen grimmig an" 
  • "Ich ratter den Vortrag jetzt einfach runter und gut ist"

Haben Sie beim Lesen etwas bemerkt? Mit solchen Gedanken befinden wir uns überall und nirgendwo. Nur nicht in unserer jetzigen Vortragssituation. Anstatt unser spannendes Thema den Zuhörern mitzuteilen, blockieren wir uns selbst. Es liegt nicht am Publikum, am Raum oder an anderen äußeren Umständen - es liegt an uns. 

Ihr Kopfkino nimmt ihr Publikum wahr

 

Wenn Sie reden und gedanklich wo ganz anders sind, dann spürt und hört das Ihr Gegenüber.
Es fehlt der Kontakt, das sogenannte partnerorientierte bzw. zielgerichtete Sprechen.

Wie im Journalismus gelten auch in der Präsentation die folgenden „W-Fragen“: WARUM wollen Sie zu jemandem sprechen und WER wird das überhaupt sein? Wichtig ist auch zu wissen, WAS und WIE Sie es sagen möchten. Das WO und WANN sollten Sie genauso berücksichtigen wie das WORÜBER. Machen Sie sich im Vorfeld diese Fragen bewusst und lassen Sie sich anschließend voll und ganz auf Ihr Publikum ein. 

 

Auch wenn es Ihnen schwer fallen wird: Setzen Sie vor jeder Kommunikationssituation einen Anker - und zwar im Hier und Jetzt. Nehmen Sie den Raum wahr, Ihre (wohlgesonnenen) Zuhörer und dann sprechen Sie einfach los. Nicht nur Ihr Sprechausdruck wird sich deutlich verbessern, auch der "Kontakt" wird auf beiden Seiten spürbar sein. Diese innere Klarheit benötigen Sie in jeder Gesprächssituation - dadurch entsteht ein authentischer Auftritt: Sie gewinnen mehr an Präsenz und es folgt eine stimmige Körpersprache (und zwar von selbst). Ihr Sprechmuster ist zwar jahre- oder auch jahrzehntelang antrainiert, Sie können es aber jederzeit neu ausrichten.

 

Selbstwahrnehmung fördern - der Beginn Ihres neuen Sprechausdrucks

 

Dafür sollten Sie sich so oft wie möglich Ihrer Selbstwahrnehmung widmen. Und hier möchte ich gleich einmal mit einem so weit verbreiteten Vorurteil aufräumen: Es stimmt nicht, dass ausschließlich Männer "schlechter" ihren Körper, ihre Gefühle wahrnehmen können. Das merke ich immer wieder in meinen Coachings.  Warum ist es überhaupt so wichtig, das Bewusstsein bzw. die Wahrnehmung zu schulen?  Ganz einfach: Sie kommen ansonsten von Ihrem bisherigen (antrainierten) Sprechmuster nicht los. 

 

Folgende simple Fragen helfen:

  • Wie klingt meine Stimme? 
  • Wo spüre ich diese?
  • Ist mein Sprechen - leicht, mühelos?
  • Bin ich beim Kommunizieren mit meinem Publikum in Kontakt oder "bete" ich nur einen
    Vortrag zum x-ten Mal runter?
  • Hole ich vor jedem Sprechen tief Luft oder räuspere ich mich davor?
  • Fühle ich mich während des Sprechens sicher, authentisch?

 

Sobald Sie Ihre Reflexion aktivieren, können Sie Ihre Selbstwahrnehmung verbessern - das ist der Anfang Ihres neuen Sprechausdrucks. Sie benötigen Bewusstsein und Achtsamkeit, um Unterschiede festzustellen und sich für den "stimmigeren" Weg entscheiden zu können. 

 

Diese beiden Aspekte sind übrigens nicht nur für Ihre Stimmentwicklung sehr hilfreich.

 

Bleiben Sie präsent - auch am Telefon!

 

Viele sehen es als Herausforderung an, gerade am Telefon locker und authentisch zu bleiben.

Wie das gelingen kann, möchte Ihnen an einem kurzen Fallbeispiel zeigen:

 

Die Anruferzahlen auf dem Bildschirm werden nicht weniger, im Gegenteil: Sie nehmen zu. Das ist schon immer so gewesen, zur Mittagszeit. Hier haben die meisten Menschen Pause und versuchen bei der Kundenhotline durchzukommen. Die wenigsten rufen an, um sich für irgendetwas zu bedanken oder ihre Freude mit dem Kundenberater zu teilen.

 

Ben M. aus W. arbeitet in einem Callcenter und kennt diese Situation. Immer wenn es stressig wird, verhaspelt er sich, bleibt nicht mehr beim Thema und seine Stimme rutscht dabei oft nach oben. Während er mit dem Anrufer spricht, klickt er sich weiter durch die Warteschleife, schaut sich das Gesamtaufkommen an und überlegt sich, wie er dies alles bewältigen soll. 

 

Herr M. hat soeben den Kontakt zu seinem Gesprächspartner abgebrochen, auch wenn er zwar noch in der Leitung ist, gedanklich ist er aber schon längst ausgestiegen. Und das hört der Gesprächspartner. Jetzt liegt eine Kommunikationsstörung vor, die es gilt schnellstmöglich zu beseitigen.

 

Wie kann er wieder den Kontakt herstellen?

 

In solchen Fällen hilft schon ein kurzer, ehrlicher Füllsatz: "Entschuldigung - jetzt habe ich gerade den Faden verloren. Wo waren wir nochmals stehen geblieben?" Während diesem Satz hat Ben genügend Zeit um sich neu auszurichten. Er nimmt ab sofort nur noch seinen EINEN Gesprächspartner am Telefon wahr und bleibt bis zum Ende des Gesprächs im Hier und Jetzt. 

 

Und auch Sie werden merken: Umso intensiver Sie sich auf jeden einzelnen Gesprächspartner einlassen, je besser werden Ihre Telefonate verlaufen. 

Und noch ein Tipp:

 

Achten Sie beim Telefonieren darauf, dass Sie aufrecht sitzen, ihr Becken also aufgerichtet ist. Sie werden merken, dass Sie in dieser Position nicht nur eine resonanzreichere Stimme bekommen (und das vor allem mühelos), sondern sich auch besser konzentrieren können. 

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"In einem Erstgespräch wurde gemeinsam die Zielsetzung besprochen. In diesem Punkt war mir nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch die zwischenmenschliche Chemie wichtig. (...) Ich kann Herrn Jaburek uneingeschränkt empfehlen – als einen Menschen, der inspiriert und neue Perspektiven aufzeigt."                                                                          


Marc Schmalen

Projektmanager 

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